Frühneuzeit bis zur Napoleonischen Epoche

Ausgehendes Mittelalter

Die in den ersten Räumen der Dauerausstellung gezeigten militärischen Waffen und Ausrüstungsstücke geben einen Überblick über die Entwicklung des Militärwesens seit dem späten Mittelalter. Viele sind ein Beleg für weit verzweigte Berufsstände wie Plattner, Sarwürker (Sar=Draht), Bogner, Schildmacher, Schmied, etc. Damit kann die historische Waffen- und Uniformkunde vielen Teilgebieten der Geschichtswissenschaft wie der Sozial-, Wirtschafts- oder Technik- und Militärgeschichte als Hilfswissenschaft anschauliches Material bieten. Die ausgestellten Stücke im Museum demonstrieren, wie der durchschnittliche Soldat und Offizier ausgerüstet, bewaffnet und bekleidet war.

Die zunehmende Bedeutung der Fußkampfer in der Feldschlacht seit dem 14. Jahrhundert führte zur Ausbildung der unterschiedlichsten Stangenwaffen. Die einfachste Stoßwaffe war der Spieß. Die meisten Stangenwaffen firmieren unter dem Sammelbegriff Rossschinder. Es war ökonomischer das Pferd zu Fall zu bringen und den Reiter gefangen zu nehmen und diesen dann gegen ein Lösegeld freizulassen. Der Harnisch und die Spitze des Langspießes des Pikeniers im Wehrgeschichtlichen Museum entsprechen dem Original. Die Pike selbst hatte eine durchschnittliche Länge von 4,5 Metern. Die unhandliche Waffe war nur für den Gebrauch in geschlossener Formation geeignet, die gepanzerten Soldaten deckten dabei die Musketiere gegen Angriffe der Reiterei ab.

Markgraf Ludwig Wilhelm und die Schlacht von Slankamen

Nahezu 300 Jahre dauerten die Auseinandersetzungen des Osmanischen Reiches mit dem Abendland. Die Hauptlast dieses Abwehrkampfes lag dabei auf dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, insbesondere aber auf den habsburgischen Erblanden. Nach der verheerenden Niederlage vor Wien 1683 war die osmanische Expansion nach Westen endgültig beendet und dennoch gestaltete sich die Rückeroberung von Ungarn, Siebenburgen und Serbien als äußerst mühsam. Durch den Ausbruch des Pfälzischen Krieges (1688-1697) führte das Reich einen Zweifrontenkrieg. Frankreich hatte einen Bündnisvertrag mit der Türkei abgeschlossen.

Die Lage spitzte sich zu und in der Schlacht bei Slankamen (nördlich von Belgrad) trafen während des Großen Türkenkrieges am 19. August 1691 die Heere Österreichs und des Osmanischen Reiches aufeinander. Der Kampf bei Slankamen endete mit einem eindeutigen Sieg der kaiserlichen Truppen, welcher es diesen ermöglichte, den größten Teil Ungarns gegen die Osmanen zu behaupten. Oberbefehlshaber der kaiserlichen Truppen war seit 1689 Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden (1655-1707), der für seine Siege über die Türken den Beinamen 'Türkenlouis' erhielt. Das Wehrgeschichtliche Museum zeigt ein Großdiorama der Schlacht von Slankamen mit etwa 6.000 Zinnfiguren.

Das Zeitalter der französischen Revolution und Napoleons

Mit der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte 1789 und der Aufhebung der Standesvorrechte des Adels hatte die Französische Revolution eine neue Grundlage für das gesamte Staatsleben geschaffen. Dies galt nicht nur für Frankreich, sondern auch für den größten Teil Europas. Auch für das Militärwesen bewirkte sie entscheidende Veränderungen.

Die neue Taktik der französischen Revolutionsheere war die natürliche Folge der umgebildeten Staats- und Heeresverfassung. Ihr Wesen bestand in der Kombination von kampfeinleitendem Schützengefecht, frontalem Feuerkampf und der Stoßkraft der geschlossenen Bataillonskolonne. Deren Kompanien standen nicht mehr wie in der Lineartaktik des 18. Jahrhunderts nebeneinander, sondern hintereinander. Die Bataillonskolonne konnte sich im Gelände weit besser und schneller bewegen, gegebenenfalls auch leichter verbergen. Der Faktor von Raum und Zeit erlangte wieder einen neuen Stellenwert: schnelle Truppenverschiebungen zum richtigen Zeitpunkt an der entscheidenden Stelle durchzuführen war ein Baustein des Sieges.

Neben der Einführung der Tirailleur- und der Kolonnentaktik und dem flexibleren Einsatz der Artillerie auf dem Schlachtfeld kam als vierte wesentliche taktische Neuerung, die das Kriegsbild der napoleonischen Führungskunst kennzeichnet, die Einteilung der Armee in selbständige Divisionen hinzu. Die dauernde Einteilung in Divisionen erleichterte die Befehlsgebung des Oberkommandos und ermöglichte es, die Truppenverbande parallel auf verschiedenen Wegen rascher zu bewegen und zudem die Truppen während der Bewegungen so auszubreiten, dass sie ihren Unterhalt finden konnten, ohne dass sie deshalb der Führung 'aus der Hand gerieten'. „Man muss sich ausbreiten, um zu leben, und sich wieder zusammenziehen, um zu schlagen“, das ist der Grundgedanke eines neuen Zweiges der Kriegswissenschaft, der Logistik